Reiselvst

Norbert Finkenbusch

Seefahrt: Tagebuch einer Kreuzfahrt

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DSCN0236Japaner und Amerikaner machen´s, neuerdings auch die Chinesen: Europa in 7 Tagen. Wir nehmen uns mehr Zeit. Wir fahren mit dem Schiff in 12 Tagen rund um Westeuropa. Vom Hamburger Schietwedder geht´s in mediterranes Klima nach Palma de Mallorca.

Freitag – Anreise und Einschiffung

HamburgMit der Eisenbahn nach Hamburg: Das Chaos war zu erwarten. Im Startbahnhof wurden die Reisenden zwar auf die veränderte Reihenfolge der Wagen hingewiesen. Leider wurde nicht gesagt, an welcher Stelle des Zuges sich nun unser Wagen befinden würde. Also stiegen die Fahrgäste da ein, wo sie sich gerade befanden, um dann im Zug in verschiedene Richtungen auszuschwärmen und nach einem Sitzplatz zu suchen. Alles natürlich mit Gepäck.

Das Schiff legt ab und unsere Tochter steht am Kai und winkt…sehr emotional. Vorbei geht’s an der Dauerbaustelle Elbphilharmonie, dem Michel, den Landungsbrücken, dem Fischmarkt…Die Dunkelheit gibt dem tollen Panorama eine besondere Note. Jede Menge Lichter am Elbufer und auf dem Wasser. Was wird das sein? Brunsbüttel Koog, die Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal, Elbe 1 … Ich kann nur raten.

Tolles Abendessen, toller Service, und für den empfindlichen Gast gibt es laktose- und glutenfreie Speisen. Alles wird á la minute zubereitet und kann etwas länger dauern…was aber nicht weiter schlimm ist. Die erste Nacht auf See…wir werden sanft in den Schlaf geschaukelt.

Samstag – Seetag

DSCN0036Der erste Seetag. Vorbei an den ostfriesischen und später den westfriesischen Inseln immer weiter Richtung Westen. Trockenes Wetter, etwas Wind, wenig Welle…es ist kaum zu spüren, dass wir auf einem fahrenden Schiff sind.

Der Tag vergeht mit einem guten Buch, gutem Essen, guten Getränken und mehr oder weniger guten Gesprächen. Gelegentlich gibt’s was zu sehen. Arbeitsplattformen, die an Offshore-Windparks arbeiten, Container-Schiffe, die den nächsten Hafen ansteuern und die gelenkige Tanzgruppe, die eine Kostprobe ihrer Kunst gibt und zum Besuch der Abendveranstaltung animiert.

Sonntag – Zeebrügge

DSCN0025Das Schiff legt noch bei Dunkelheit im Containerhafen von Zeebrügge an. Das Frühstück wird zur ersten Nervenprobe: Wir kommen zu spät und haben noch Sonderwünsche.

Zum Landgang geht’s nach Blankenberge, weil Zeebrügge wenig bis nichts für den normalen, sich nach Historie und Typischem sehnenden Touristen zu bieten hat.

Blankenberge ist ein belgisches Seebad, das seine besten Zeiten lange hinter sich hat. Hochhäuser säumen die Strandpromenade, der Himmel ist bedeckt, es nieselt leicht: Das ist nur was für eine stabile Gemütslage.

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Das Schiff vibriert, als die schweren Diesel anspringen. Mit langsamer Fahrt gleitet das schwimmende Hotel aus dem Hafenbecken. Die Schrauben wühlen das Wasser auf. Vor uns liegt der Ärmelkanal. Die Nordsee ist grau. Der Himmel ist bedeckt. Der Abschied fällt nicht schwer.

Wir verlassen Zeebrügge. Ich bin nicht traurig.

Auf uns wartet Le Havre mit hoffentlich besserem Wetter und interessanteren Sehenswürdigkeiten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Leben an Bord

Das Schiff mit mehr als 1900 Passagieren und über 800 Mitarbeitern hat einiges zu bieten. Speisen und Getränke sind vielfältig und bieten etwas für jeden Geschmack. Sogar auf Gluten- und Laktoseintoleranz wird mit großer Sorgfalt eingegangen.DSCN0035

Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten lassen kaum Wünsche offen. Sogar eine Bikestation mit sehr gutem Material ist an Bord. Das Publikum ist gemischt. Von jung bis alt sind alle Altersgruppen vertreten. Kinder oder Jugendliche sollen auch an Bord sein, fallen aber nicht auf.

Montag – Le Havre

DSCN0038Le Havre – Industriehafen, Betonstadt, das Bordleben geht ungerührt weiter. Interessant: Platz an Deck in der Sonne mit Blick auf ein Silo, gutes Buch, netter Wein, schöne Kreuzfahrt, Mittagessen bei Gosch (McDonalds für Besserverdienende).

Dienstag – Southampton

BikesSouthampton – noch ein Industriehafen. Die Fahrt mit dem Rad durch englischen Linksverkehr ist eine Herausforderung. Plötzlich und unerwartet taucht ein Bus auf, der so nicht erwartet wurde. Gerade noch mal davon gekommen.

Mit den Rädern geht´s auf die Fähre. 20 Mountainbikes hätte ich ihr nicht zugetraut. Über eine endlose Pier geht´s an Land. Menschen und Gepäck werden auf Wunsch mit einer Schmalspurbahn transportiert.

Wir fahren mit den Rädern durch ein weiträumiges Naturschutzgebiet mit romantischen englischen Dörfern. Pferde und Rinder laufen bevorzugt auf der Straße. Keiner hat ihre Weiden eingezäunt. Zum Essen gibt´s ein Sandwich mit Thunfisch, Käse und Zwiebeln – 3,50 Pfund, a half pint of bitter – 4 Pfund. Bye Southampton.IMG_0057

Das Schiff fährt wieder durch Nacht und Nebel, Kurs Biskaya.

Mittwoch Seetag

Entsprechend voll und unruhig ist es in den Restaurants. Die Platzsuche ist bereits beim Frühstiück schwierig. Nebel auf der See – trotzdem liegen Hartgesottene bereits im Liegestuhl, dick in Decken eingehüllt.

Donnerstag – La Coruña

DSCN0050DSCN0089Einlaufen in La Coruña: das Schiff fährt mit langsame Fahrt durch einen Fjord und macht fest. Der Landausflug geht nach Santiago de Compostela. Angeleitet von einer energischen Reiseführerin werden Kathedrale und Altstadt mit Massen anderer Touristen besichtigt (trotzdem sehenswert). Vereinzelt tauchen abenteuerlich gekleidete Wanderer mit schwerem Gepäck auf – Pilger auf dem Jakobsweg. Rückfahrt mit dem Bus, Auslaufen, Richtung Lissabon.

Freitag Seetag

Während der Nacht gibt’s bereits viel Welle und Wind (75 km/h). Morgens hat sich das Meer etwas beruhigt. Gelegentlich lässt sich die Sonne blicken. Da ist ein ruhiges Plätzchen mit einem guten Buch angebracht. Das Fernglas liegt bereit, um das Leben auf dem Meer zu beobachten. Essen, trinken, schlafen, etwas sporteln – ein sehr entspanntes Reisen.

Samstag – Lissabon

DSCN0138Lissabon präsentiert sich heiter bis wolkig mit angenehmen Temperatungen. Es ist Zeit, alte Erinnerungen durch eine Fahrt mit dem Elevador de Santa Justa aufzufrischen und die Alfama zu besuchen. Ein kleiner Imbiss mit Bacalhau ist willkommen.

Sonntag – Cadiz

In Cadiz gibt´s einen informativen Stadtrundgang mit einem launigen Stadtführer. Bei Bedarf zieht er aus seiner Tasche die passenden Bilder, um seinen Vortrag zu begleiten. Wer soll sich das bloß alles merken?DSCN0194

Montag Seetag

Das Programm wird routiniert abgewickelt. Essen, trinken, lesen, schlafen, sprechen…Kurs Palma de Mallorca

Dienstag – Ausschiffung und Abreise

Plötzlich geht alles ganz schnell. Routiniert werden die Kreuzfahrer schrecklich früh zum Flughafen gebracht, checken ein und ab geht der Flieger nach Deutschland.

Fotos: Norbert Finkenbusch

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