Sardinien, Korsika, Südfrankreich: Unter Vollzeug

Segeln ist Vielfalt. Im Neopren-Anzug auf einer Katamaran-Kufe die Wellen zu schneiden, mit dem Laser durch die hochschäumende Gischt zu halsen oder mit einer Yacht von stolzen 15 Metern im T-Shirt vor Mallorca zu kreuzen hat jeweils seinen eigenen Reiz. Es geht aber auch ganz gepflegt und entspannt mit der Sir Robert, mit eigener Crew und Gästen, die beim Segeln mitmachen können aber nicht müssen.

DSCN0240Wohlfühlen

Sanft gleitet das Dinghi mit Passagieren und Gepäck aus dem Hafen von Palau/Sardinien. Doch kaum haben wir das Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt hinter uns brüllt der Außenborder los und das Boot schießt über die Wellen auf die Sir Robert zu. Die liegt friedlich in der Bucht und wartet auf ihre Gäste. Es gibt eine erste Salzdusche, die aber auch die letzte auf dieser Reise ist. Da heißt es, sich selbst und das Gepäck gut festhalten. Guter alter Seemannsbrauch: Eine Hand für den Mann, eine fürs Schiff (Gepäck).

DSCN0100Die Überfahrt war aber auch schon der härteste Teil der Reise. An Bord erwartet uns Karin, die Skipperfrau, und reicht lächelnd einen Willkommens-Drink. Danach sind Gepäck und lange Hose in die Kabine verstaut und verbannt. Kurze Hose und T-Shirt sind für die nächsten Tage die angesagte Kleidung.

Herrlich mediterran lässt sich in der Bucht von Palau das erste Dinner genießen, das im Heck der Sir DSCN0097Robert serviert wird. Über uns der Sternenhimmel und vor uns ein gut gekühlter „Vin de Corse“. Das wird jetzt an jedem Abend so sein. Wir stimmen uns auf unsere Reise ein, die uns von Sardinien durch die Straße von Bonifacio an der Westküste von Korsika entlang bis nach Nizza in Südfrankreich führen wird.

Leben

DSCN0168Besser geht’s nicht. Sanft wiegt mich die Sir Robert in den Schlaf. Morgens werde ich durch lautes Lachen und spritzendes Wasser wach: Badespaß im Mittelmeer. Danach hat der Koch schon das Frühstück zubereitet. Und während die Gäste sich für den Tag stärken macht die Mannschaft die Sir Robert segelfein für die Fahrt durch die Straße von Bonifacio.

Das Bordleben ist kurzweilig. Skipper Karsten erklärt geduldig die Segelmanöver, bespricht den anliegenden Kurs, informiert über das nächste Ziel und zeigt Griffe und Knoten an Fallen und Schoten.

Die Ankerkette saust mit lautem Rumpeln aus dem Kasten. Die Sir Robert dreht sich an langer Leine in den Wind. Es wird still: Mittagspause. Jetzt ein Tauchgang, eine Besichtigung an Land oder doch lieber mit dem Dinghi unterwegs im Weltkulturerbe der UNESCO am Capo Rosso und nach Seeadlern ausschauen? Alles ist möglich, ganz nach Geschmack.DSCN0213

DSCN0228Die korsische Westküste ist rau und felsig und ein tolles Revier für zahlreiche Ausflüge. Die Berge reichen bis ans Meer heran. In den Fjorden und Buchten gibt es nur wenige Sandstrände, dafür aber paradiesische Tauchmöglichkeiten für Unterwassersportler. Einige Küstenstreifen zwischen Galéria und dem Golfe de Sagone sind sogar nur von See her zugänglich, wie etwa um das Réserve Naturelle de Scandola. Das ehemalige Piratendorf Girolata ist nur mit dem Boot oder über Maultierpfade zu erreichen.

Reisen

Bereits die Anreise mit dem Flugzeug war interessant. Zunächst mit dem Flieger von Düsseldorf nach Hamburg und von dort nach Olbia auf Sardinien. Ein bequemer und pünktlicher Bus fährt vom Flughafen direkt in den Hafen von Palau. Dort startet die Reise mit der Sir Robert. Am nächsten Tag geht es von Palau aus vorbei an der Île de cavallo nach Bonifacio auf Korsika. Weitere Etappen der elftägigen Reise: Propriano, Plage D’Isolella, Port de Cargese, Tour de Capo Rosso, Ajaccio, Calvi, Villefranche-sur-Mer, Nizza.

Segeln

Die Sir Robert Baden Powell ist ein 42 Meter langer Schoner, der zum Segelschiff umgebaut wurde. Die großen Gaffelsegel an zwei Masten sowie die Topsegel lassen das Seglerherz höher schlagen und machen einen ausgesprochen eleganten Eindruck.

Mein liebster Platz ist im Heck des Schiffes. Am Ruder steht Karsten und steuert die Sir Robert mit ruhiger Hand aus dem Hafen auf´s Meer. Im Wind werden die Segel gesetzt. Jeder Handgriff sitzt. Trotzdem hat die Crew alle Hände voll zu tun, bis die Sir Robert mit Vollzeug ihre Spur durch die Wellen zieht. Alles ist Handarbeit, Motorwinschen gibt es nicht. Eine wunderbare Stille macht sich breit, wenn der Diesel abgeschaltet wird und nur noch der Wind das Schiff voran treibt.

Beim Segel setzen ist Karin mit dabei. Der Chartergast kann auch mitmachen, muss es aber nicht. Auch sonst ist Karin stets präsent und kümmert sich liebevoll um ihre Gäste. Karsten und Karin sind die Eigner der Sir Robert.

Weiter Informationen über Schiff, Eigner und Törns 2016: www.sir-robert.com

Bilder: Norbert Finkenbusch

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