Reiselvst

Norbert Finkenbusch

Nordkap: Wo die Sonne nicht untergeht

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Tosend stürzen sich sieben Wasserfälle direkt nebeneinander über 300 Meter in die smaragdgrünen Fluten des Geirangerfjords. Der Volksmund hat sie die sieben Schwestern getauft. Der Wasserfall auf der anderen Seite des Fjords ist der Freier. Der hätte die Schwestern gerne geheiratet, aber von jeder einen Korb bekommen. Darüber konnte ihn nur der Alkohol hinwegtrösten. Ein weiterer Wasserfall passt dazu: Der Brautschleier.

Fjorde

Einer der bekanntesten und schönsten Fjorde in Norwegen ist der Geirangerfjord. Er gehört deswegen schon seit Jahren zum UNESCO-Weltnaturerbe. Nordöstlich von Bergen gelegen erreicht ihn das Schiff vom offenen Nordmeer aus über den Storfjord und den Sunnylvsfjord. An seinem Ende liegt das Örtchen Geiranger.

Für Geografen und Geologen ist der Fjord ein naturhistorisches Laboratorium. Hier lassen sich ständig neue Erkenntnisse zur Landschaftsbildung und zu Klimaänderungen gewinnen. Aber auch der einfache Tourist staunt und ist beeindruckt. Hohe und steile Felswände ragen fast senkrecht aus den Fluten und gehen in alpine Gebirgsbereiche mit fruchtbaren Hochalmen über. Dazwischen liegen verlassene Bauernhöfe, die früher teilweise nur über Leitern zu erreichen waren. Jetzt sind sie liebevoll restauriert und gehören zu den wichtigsten kulturhistorischen Stätten der Region.

Städte

Bergen ist mit über 270.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Norwegens (nach Oslo). Das Schiff liegt so günstig, dass das Zentrum fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen ist. Die lebhafte Hafenstadt ist der Ausgangspunkt für die berühmten Postschiffe der Hurtigruten, die bis zum entfernten Kirkenes im Nordosten fahren. Hier endet auch die Bahnverbindung mit Oslo, die Bergensbanen, die über die größte Hochebene Europas führt. Sie passiert auf ihrem Weg 182 Tunnel und ihren höchsten Punkt von 1.237 Metern.

Sehenswert ist das Hafenviertel Bryggen, das durch mehrere Stadtbrände zerstört und jeweils nach originalen Plänen wieder aufgebaut wurde. Das Profil ist daher heute noch dasselbe wie im 12. Jahrhundert. Zurecht gehört Bryggen deswegen als Beispiel hanseatischer Baukunst zum Weltkulturerbe.

Nach Oslo und Bergen ist Trondheim die drittgrößte Stadt des Landes. Durch breite Straßen und schmale Gassen führt der Weg zum Kanalhafen mit seinen typischen Lagerhäusern direkt am Wasser. Ein schönes Bild für einen bleibenden Eindruck. Vom Hafenviertel geht es weiter über die alte Stadtbrücke (Gamle bybroen) aus dem Jahre 1862 in den Stadtteil Bakklandet mit seinen kleinen Holzhäusern. Heute sind darin Cafés, Werkstätten und Boutiquen untergebracht.

Was auch nicht ausgelassen werden darf:

Der Stiftsgården (Hof des Stiftsamtmanns) ist das größte Holzpalais Skandinaviens und wurde in den 1770er Jahren errichtet. Angeblich wohnt der König dort, wenn er sich in Trondheim aufhält.

Der Nidarosdom gehört zu den bedeutendsten Kirchen in Norwegen und ist Nationalheiligtum. Er war im Mittelalter und von 1818 bis 1906 die Krönungsstätte der norwegischen Könige. Hier wurden sieben Könige gekrönt und zehn begraben.

Polarkreis

Kurz vor Mitternacht ist der Himmel glutrot. Die Sonne schickt sich an, im Meer zu versinken. Die Wellen werfen das Licht zurück und sorgen für magische Momente. Das Schiff überquert den nördlichen Polarkreis. An den Tagen der Sommersonnenwende wird aber nichts aus einem romantischen Sonnenuntergang. Die Sonne berührt am Horizont nicht mal das Meer und steigt nach Mitternacht bereits wieder höher und höher. Wunderbar, es wird nicht dunkel, wir erleben eine Weiße Nacht, die Sonne steht am Himmel und die Menschen feiern und gehen nicht schlafen.

Nordkap

Weder Nebel noch stürmische Winde empfangen uns. Das Eismeer liegt vielmehr ruhig und bleigrau unter uns und die Sonne scheint auf ein 300 Meter hohes und steil aus der See emporragendes Schieferplateau. Das Nordkap habe ich mir anders vorgestellt. Nur die niedrigen Temperaturen erinnern daran, dass wir uns hoch im Norden Europas befinden. Wir sind hier 514 Kilometer nördlich des Polarkreises. Bis zum Nordpol sind es noch rund 2.100 Kilometer.

Dabei ist das Nordkap nicht der nördlichste Punkt Europas. Da gibt es andere Orte, wie die Inseln des Spitzbergen-Archipels. Aber das Nordkap ist der nördlichste Ort, der auf befestigten Straßen vom europäischen Festland aus erreicht werden kann.

Informationen gibt es im Informationszentrum, der Nordkaphalle. Neben der weltweit üblichen Infrastruktur gibt es ein Postamt, in dem ein mit dem Tagesdatum abgestempeltes Nordkapdiplom ausgehändigt wird. Aufgegebene Post wird mit einem speziellen Nordkap-Poststempel abgestempelt.

Info

Zahlreiche Kreuzfahrtschiffe steuern Norwegens Häfen an. Der Klassiker ist aber die Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes. Informationen: hurtigruten.de

Bilder: Norbert Finkenbusch

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