Kos: Erste Zuflucht

Julien Christ / pixelio.de
Julien Christ / pixelio.de

Tagesschau.de berichtete am 10. Juni 2015 darüber, dass die griechische Küstenwache binnen dreier Tage mehr als 4000 Flüchtlinge in der Ägäis aufgegriffen hat. Viele werden auf kleine Ägäis-Inseln wie Kos geleitet, die auch beliebte Urlaubsziele sind.

Rettung aus höchster Not

FlaggeWährend die ersten Touristen am Strand der griechischen Ägäis-Insel Kos liegen und die Sonne anbeten waschen wenige Meter entfernt Flüchtlinge ihre Wäsche im Meer – ungewöhnliche Szenen auf der Urlaubsinsel zu Beginn der Feriensaison. Inzwischen kommen täglich neue Flüchtlinge an. Sie machen sich in kleinen Booten vom türkischen Festland aus auf den Weg. Das liegt in Sichtweite und nur wenige Kilometer entfernt von Kos.
Einige Boote erreichen aus eigener Kraft den Strand. Viele Boote sind aber nicht für die Überfahrt geeignet. Die Reise ist für die Passagiere auf jeden Fall lebensgefährlich. Die Schlepper setzen die Flüchtlinge dennoch in Schlauchbooten aus, damit sie von der griechische Küstenwache gerettet und an Land gebracht werden. „Frauen und Kinder zuerst“, wie es guter Seemannsbrauch ist.Norbert-Finkenbusch

Leben auf´s Wesentliche reduziert

Die Insel ist mit der schieren Zahl der Flüchtlinge überfordert. Wer Glück hat, wird in einem abbruchreifen und heruntergekommenen Hotel untergebracht. Kein Tourist würde dort absteigen. Aber die Flüchtlinge haben wenigstens ein Dach über dem Kopf. Die meisten müssen sich dagegen unter freiem Himmel aufhalten. Teilweise liegen Menschen auf dem nackten Erdboden ohne Schutz vor der Sonne, ohne Wasser, ohne Brot. Alle sind nach der Flucht in einem erbärmlichen Zustand.

Die nächste Station ist der Hafen von Piräus auf dem Festland. Die Flüchtlinge sollen die Touristen-Insel so schnell wie möglich verlassen. Diesen schrecklichen Anblick können die Behörden den zahlenden Gästen schließlich nicht zumuten. Trotzdem kann die Weiterreise bis zu zwei Wochen auf sich warten lassen. Viel zu viel Lebenszeit unter diesen Bedingungen.

Hagen heißt Flüchtlinge willkommen

Deutschland ist das Ziel vieler Flüchtlinge, die sich möglichst schnell von Griechenland auf den Weg machen. Hagen nimmt eine große Zahl dieser Menschen auf und heißt alle willkommen. Neben städtischen Behörden kümmern sich soziale Einrichtungen wie die Diakonie Mark-Ruhr, private Vereine wie der „Verein zur Förderung der Flüchtlingsarbeit Hagen“ und zahlreiche ehrenamtliche Helfer um die Gäste, die hier eine neue Heimat für sich und ihre Familien finden möchten. Hier hat jeder ein Dach über dem Kopf in teilweise eigens hergerichteten Häusern.

Ein besonders schönes Beispiel für Hagens Willkommenskultur ist das Projekt „StoryTeller“. Die Designerin Silke Pfeifer hat gemeinsam mit dem Soroptimist Intern. Club Hagen und weiteren Projektpartnern von September 2014 bis Juni 2015 unter großem persönlichen Einsatz Koch- und Erzähl-Workshops mit und für Menschen mit Zuwanderungshintergrund durchgeführt.

Und es wird gefeiert. Schwarz-Weiß-Bunt heißt das Kulturfestival, das vom 12. bis zum 14. Juni 2015 stattfand. Das Ziel der dreitägigen Veranstaltung war es, Migranten in Hagen willkommen zu heißen und zum Mitmachen im kulturellen Geschehen in der Stadt zu animieren, so Astrid Knoche vom veranstaltenden Kulturbüro. Beteiligt waren u. a. das Kunstquartier, das Kunst-und Atelierhaus in der Hochstraße 76 und das Allerwelthaus im Potthofpark.

Ankommen und bleiben

Nicht alle wollen bleiben, aber alle wünschen sich Ruhe, Frieden, Sicherheit. Dazu ist vor allem ein Asylantrag zu stellen. Das ist bei jeder Behörde oder Polizeidienststelle möglich. Bearbeitet wird der Antrag dann vom „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, das über den Aufenthalt entscheidet. Dabei kann der Aufenthaltsstatus von der Anerkennung als Asylberechtigter bis zur Aufforderung reichen, Deutschland zu verlassen. Eine weitere Zitterpartie, wenn der Aufenthalt nur befristet gestattet und regelmäßig neu zu beantragen ist. Und es kann auch die Abschiebung drohen, wenn ein Asylantrag endgültig abgelehnt wird.

Aber alle haben ein Dach über dem Kopf.

Info zum Projekt “StoryTeller”

Silke Pfeifer hat das Buch zum Projekt „StoryTeller“ herausgegeben. Es kann gegen eine Mindestspende von fünf Euro für den „Verein zur Förderung der Flüchtlingsarbeit Hagen e. V.“ abgegeben werden. Darin wird neben dem eigentlichen Projekt sehr anschaulich und beeindruckend das Asylbewerberverfahren dargestellt. Sehr lesenswert.

Bilder: Norbert Finkenbusch, Hagen, Julien Christ  / pixelio.de

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