Reiselvst

Norbert Finkenbusch

Hamburg: Hafenrundfahrt

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569561_web_R_by_BettinaF_pixelio.deKreischend und stampfend legt das Schiff an Brücke drei der Landungsbrücken an. Krachend fällt die Gangway auf den Ponton. Sonnenschein und glitzerndes Hafenwasser. Hastig geht es auf die Fähre, erneutes Kreischen, die Gangway wird eingeholt, der Diesel heult auf, es stinkt, Qualmwolken ziehen über das Deck. Die Fähre legt ab. Der Himmel ist bayerisch-blau.

Hafenrundfahrt – nicht nur für Touristen

Es gibt viele Möglichkeiten, das maritime Hamburg zu entdecken. Eine attraktive Variante ist eine Fahrt mit der Hafenfähre Linie 62. Gegen geringes Entgelt verkehrt die Fähre zwischen Elbphilharmonie und Finkenwerder. Die Fahrt dauert planmäßig etwa 30 Minuten. Der Fahrgast ist vom Wetter unabhängig und kann sich hier, wo es keine Schienen gibt, auf den Fahrplan verlassen.

Dauerbaustelle – die Elbphilharmonie

Das Schiff stößt von der Kaimauer ab und nimmt Kurs auf die Haltestelle 656604_web_R_B_by_Marlies Schwarzin_pixelio.deSandtorhöft. Wind, Wellen und Sonne verbreiten Ausflugsstimmung. Den Blick voraus schiebt sich unaufhaltsam die riesig aufragende Baustelle der Elbphilharmonie ins Bild. Eingerüstet und mit Planen verhängt passt sie nicht so recht in die Szene. Neben der trotz allem beeindruckenden Dauerbaustelle werden Speicherstadt, Hafenkräne und stolze Segelschiffe zur Kulisse.

Exzellent, weltoffen, innovativ will sich die Stadt Hamburg mit der Elbphilharmonie präsentieren. Seit 2007 im Bau ist ein Abschluss der Bauarbeiten nicht abzusehen. Fertigstellung und schlüsselfertige Übergabe sind inzwischen für Mitte 2016 geplant.

Hingucker – Sankt Michaelis

Es geht zurück zu den Landungsbrücken, gegen den Wind. Der ist recht frisch und es wird etwas ungemütlich auf dem Oberdeck. Die Sonne wärmt nur mäßig. Dafür entschädigt das Panorama. Rechts liegt der City Sporthafen Hamburg mit eleganten Yachten und imposanten Traditionsseglern, links erstrecken sich endlose Hafenanlagen mit Kränen und Containern. Darüber der Michel, das Wahrzeichen Hamburgs. Seine dunkle Kupferhaube setzt sich scharf vom blauen Himmel ab.

570001_web_R_K_by_Wolfgang Gutzeit_pixelio.deDie Hamburger sprechen vom Michel. Sankt Michaelis ist eine der schönsten Barockkirchen Norddeutschlands. Der Turm mit der unverwechselbaren Kupferhaube ist das Wahrzeichen Hamburgs. Beachtlich sind die vier Orgeln und die Turmuhr. Die ist mit einem Durchmesser von acht Metern die größte in Deutschland. Gerade zeigt sie 11:30.

Soziale Netze – ein buntes Völkchen

Wer kreischt lauter, die Schulkinder an Bord oder die Möwen über dem Schiff? Ein buntes Völkchen hat sich auf dem Oberdeck eingefunden. Neben einem älteren fotografierenden Ehepaar hat sich ein Punker-Pärchen mit Schäferhund niedergelassen. Die genießen trotz der frühen Stunde einige Bierchen und Zigaretten. Ein munteres Damentrio unterhält mit launigen Gesprächen die anderen Fahrgäste.

Die Fähren werden vom Hamburger Verkehrsverbund betrieben. Sie können mit einem preiswerten Tagesticket benutzt werden. Auf dem Oberdeck sitzt der Passagier im Freien. Deshalb ist auch bei schönem Wetter eine Jacke zu empfehlen. Wenn es ganz ungemütlich wird, dann bietet das Unterdeck ausreichend Platz und Schutz vor Wind und Wetter.

Tor zur Welt – der Hafen

Riesig sind die Schiffe, die zur Reparatur auf Reede liegen. Noch riesiger sind die Trockendocks von Blohm und Voss, in denen die Schiffe repariert werden. Dahinter erstrecken sich endlose Hafenanlagen mit Kränen und Containern. Eine unwirkliche, menschenleere Welt.

Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen in Deutschland. Als Universalhafen werden hier nahezu alle möglichen Waren umgeschlagen. Viele Arbeiten sind automatisiert; Menschen sind selten zu sehen. Diverse Schifffahrtslinien verbinden den Hafen mit mehr als 900 anderen Häfen weltweit in über 170 Ländern. 2011 wurden 132,2 Mio. Tonnen Waren umgeschlagen, davon 90,1 Mio. Tonnen in Containern.

Lebensader – die Elbe

Die Fähre stampft immer noch gegen den Wind  nach Finkenwerder. Die steife Brise hat die Stimmung an Bord etwas gedämpft. Dennoch halten die Passagiere auf dem Oberdeck aus. Die Aussicht ist grandios. Auf dem Wasser ist allerhand los. Schiffe jeder Größe und Funktion kreuzen über die Elbe. Arbeitsschiffe liegen in der Fahrrinne und legen Tonnen.

Im Jahr 2012 wurden Güter von über 200.000 Bruttoregistertonnen über die Elbe nach Hamburg befördert. Damit ist die Elbe eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas. Kaum ein Schiffstyp, der nicht auf der Elbe fährt. Vom Hafenschlepper bis zum Containerschiff sind alle vertreten. Selbst Binnenschiffe liefern Fracht bis Glückstadt.

Fischmarkt – Bratfisch für Touristen

Nach Finkenwerder geht´s zurück. Nicht, dass die Fahrt langweilig wäre. Aber jetzt heißt 568577_web_R_by_gabriele Planthaber_pixelio.de (1)es, mit dem Wind zu fahren, die Jacke zu öffnen und die Sonne zu genießen. Die Punker greifen zum nächsten Bier, das Damentrio nimmt sein lebhaftes Gespräch wieder auf und das Hamburger Ehepaar erklärt die Sehenswürdigkeiten. Kreischend, qualmend und stinkend legt die Fähre am Fischmarkt an.

Ursprünglich diente der in Altona abgehaltene Markt zur Versorgung der Bürger mit frischem Fisch. Seine Besonderheit, auch sonntags früh geöffnet zu sein, liegt daran, dass der gefangene Fisch bereits morgens vor dem Kirchgang verkauft werden sollte. Danach wäre es draußen zu warm gewesen. Der sonntägliche Fischmarkt von 5:00 bis 9:30 Uhr mit Verkaufsständen unter freiem Himmel auf der Großen Elbstraße ist heute hauptsächlich eine Attraktion für Touristen und Nachtschwärmer.

Hummer – frisch aus der Nordsee

Das Beste kommt zum Schluss, zumindest was Essen und Trinken anbelangt. Von Hunger IMG_0105und Durst getrieben und mit Sehnsucht nach einer warmen Suppe kehrt der Gast gerne bei Hummer Pedersen ein. Die Fischsuppe dampft und schmeckt nach Meer. Dazu passt auch der durchaus preiswerte Hummer. Ein Gläschen Chardonnay rundet das Geschmackserlebnis ab.

Der Betrieb existiert seit 1879 und verkaufte Hummer, der damals reichlich in der Nordsee vorhanden war. Später wurde der Hummer in großen Becken mit Seewasser gezüchtet. Heute werden Gastronomie und Hotellerie mit Frischwaren versorgt. Der hungrige Gast lässt sich im Bistro mit Fisch und Meeresfrüchten verwöhnen. Der Betrieb an der Großen Elbstraße punktet durch frische Waren und recht günstige Preise. Den halben Hummer gibt´s schon für 14,90 EUR.

Bella Vista – vom Altonaer Balkon

Nicht weit vom Fischmarkt windet sich ein Fußweg den Hang hinauf zum Altonaer Balkon. Die herrliche Aussicht entschädigt für die kleine Anstrengung. Oben angekommen geht der Blick weit über den Hafen. In Gedanken kann die kleine Seereise noch einmal genossen werden. Und da unten auf der Elbe stampft auch schon die nächste Fähre der Linie 62 durch die Wellen.

Fotos: BettinaF; Marlies Schwarzin; Wolfgang Gutzeit;  CFalk; gabriele Planthaber / pixelio.de; Norbert Finkenbusch

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