Bodrum: Türkisch für Anfänger

DSCF0280Das Wasser glitzert im kleinen Hafen von Bodrum. Die Gulet schaukelt sanft und wartet bereits auf uns. Neugierig klettern wir an Bord und suchen nach einem schattigen Plätzchen. Daraus wird aber nichts, weil der weibliche Teil einer türkischen Großfamilie bereits Platz genommen hat. In der Mitte eine großvolumige strenge Frau, die auf züchtige Kleidung, Sitte und Anstand achtet.

Meine Begleiterin wird kritisch gemustert. Die Kartoffel ist wohl in den Augen der AnstandDSCF0279sdame allzu freizügig gekleidet. Und die Schuhe müssen wir auch ausziehen, bevor wir einen Platz an der Reling in der prallen Sonne finden. Meine Begleiterin setzt ihren kritischen Blick auf. Ich fühle mich unwohl.

DSCF0288Das Boot legt ab, gleitet durch den engen Hafen und nimmt Kurs auf die Ägäis. Inseln, Inselchen, schroffe Felsküsten, kristallklares Wasser…ein Idyll. Sind wir noch in der Türkei oder schon in Griechenland. Ach, wen schert´s.

Inzwischen hat sich die Situation entspannt. Einige jüngere türkische Damen haben die Kleidung gelockert. Ein älterer Herr, wahrscheinlich der Chef der Frauenrunde, schlägt den anderen Herren an Bord vor, ein Bierchen zu trinken. Meine Begleiterin nimmt dankend an, obwohl sie nicht eingeladen ist. Das Bier wird aber genehmigt, wenn auch mit einem Stirnrunzeln.

Die Männerrunde wird vom türkischen Patriarchen dominiert, der aber zusehends die DSCF0290Aufsicht über seinen Harem vernachlässigt. Schließlich nimmt er zum Bier den einen oder anderen Raki. Unterstütz wird er dabei von dem türkischstämmigen Betreiber eines Londoner Restaurants und dessen schottischem Koch. Es kommt wie es kommen muss, ein kleines Mittagsschläfchen ist fällig.

Die Gulet ankert inzwischen in einer kleinen Bucht. Das kristallene Wasser lädt zum Schwimmen ein. Und tatsächlich springen einige Mitglieder des weiblichen Teils der türkischen Großfamilie mit Bikini ins Wasser. Die Anstandsdame sieht so aus, als würde sie sich auch gerne ihrer Kleidung entledigen.

DSCF0286Als der Patriarch seinen Rausch ausgeschlafen und seine Mittagsruhe beendet hat, sitzen wieder alle Mitglieder des weiblichen Teils der türkischen Großfamilie anständig bekleidet auf ihren Plätzen. Das entzückende Enkelmädchen verteilt Bonbons, von denen meine Begleiterin ausnahmsweise auch nimmt. Bier gibt´s ja nicht. Der Schiffskoch reicht das Mittagessen. Das Kebab schmeckt vorzüglich.

Der Abschied ist herzlich. Wir können uns kaum trennen. Die Anstandsdame verdrückt ein Tränchen und versichert, niemals zuvor solche lieben deutschen Menschen getroffen zu haben. Nie, nie, nie wird sie uns vergessen. Ein schöner Tag.

Bilder: Norbert Finkenbusch, Hagen

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