Reiselvst

Norbert Finkenbusch

Apulien: Im Land der Zipfelmützen

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Die Trockenmauern sind so weiß in der grellen Sonne, dass die Augen schmerzen. Im Kontrast dazu stehen die dunklen Steindächer, die wie Zipfelmützen aussehen. Und was bedeuten die mystischen Zeichen auf den Dächern?

Im Trulli-Land

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir sind in Puglia, im Trulli-Land, im südlichen Italien, im Absatz des Stiefels. Ein Trullo war eigentlich ein Haus für die armen Landleute. Die mussten sich den wenigen Platz mit den geernteten Früchten des Feldes teilen. Heute sind die Trulli eine Touristenattraktion. Du kannst sie besichtigen, darin wohnen oder essen und trinken.

Das Herzstück des Trulli-Lands ist Alberobello. Beim Rundgang ist die Zahl der Touristen IMG_0119erträglich. Das wird in der Hauptsaison ganz anders. Die Altstadt hat zwei Viertel, die fast ausschließlich aus Trulli bestehen: kegelförmige Häuser mit einem spitz zulaufenden Dach aus schuppenartig geschichteten Steinen. Im Trullo Sovrano (Museum) lässt sich auch das weitgehend authentische Innenleben besichtigen. Im Inneren ist es ausgesprochen eng. Es ist eine Herausforderung, nicht mit dem Kopf an niedrige Decken und Durchgänge zu stoßen.

So lässt es sich wohnen

Schlanke Zypressen wiegen sich im Wind, die sanften OLYMPUS DIGITAL CAMERAHügel schmeicheln dem Auge und beruhigen die Seele: Ein erster Eindruck von Tenuta Monacelle. Die Tenuta ist ein ehemaliges Landgut. Die Gästewohnungen sind über die weitläufige und sehr gepflegte Anlage verteilt. Jede Wohnung hat einen eigenen Zugang.

Auch hier finden sich wieder die Trulli, die zum Kernbestand der Anlage gehören. Im schönsten wird abends gegessen. Das darf gerne auch mal eine kleine Roulade mit Innereien vom Schaf sein. Einige Trulli sind auch als Gästezimmer hergerichtet.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Park lässt es sich aushalten. Hier ein kleiner Imbiss mit Frisedde (eine apulische Spezialität; kleine, harte Brötchen mit frischen Tomaten), da ein Glas Wein aus der landwirtschaftlichen Produktion der Tenuta.

Mit der Ruhe ist es aber schnell vorbei, als eine große Hochzeitsgesellschaft die Anlage füllt. Es ist gut zu verstehen, dass die Tenuta ein wunderbarer Ort zum Feiern ist und von den Einheimischen dazu gerne genutzt wird. Wir haben uns schon auf eine unruhige Nacht eingestellt und zum Mitfeiern vorbereitet. Dazu kam es aber nicht: Um 22:00 war Ruhe.

Was gibt’s sonst noch?

IMG_0152Jede Menge Kultur. In den entlegensten Örtchen ergeben sich interessante Eindrücke. Die Barockstadt Lecce ist besonders sehenswert. Sie soll eine der schönsten Städte Süditaliens und eine der Hauptstädte des europäischen Barocks sein.

Einen Besuch wert sind auch die Städtchen Locorotundo oder Ostuni. Die Fahrt dorthin führt über schmale Straßen von Mauern aus Feldsteinen gesäumt. Dahinter fruchtbare Felder, auf denen gerade Kartoffeln geerntet werden.

Il Mare

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Meer gibt’s natürlich auch noch. Jeder findet am Strand sein Plätzchen, ob naturbelassen oder kultiviert. Kultiviert heißt im Fall Lido Marina Grande bei Capitolo: eingezäunte Anlage, kostenpflichtiger Parkplatz, Gebühren für Liegestuhl und Sonnenschirm sowie eine mächtige Musikanlage mit der Aussicht auf Dauerbeschallung und Disko-Feeling.

Wir haben aber Glück. Die Anlage wird gerade für die Saison vorbereitet, die Musikanlage schweigt und wir sind die einzigen Gäste. Eine Empfehlung für die Reisezeit im Mai oder im Juni.

La Cucina

Leider gibt’s auch nichts Essbares. Also auf nach Torre Canne in die Taverna dos Santos. Eine Mischung aus griechischer und italienischer Strandbude mit italienischen Ristorante-Preisen. Und natürlich mit den üblichen Aufschlägen für Gedecke und Brot. Ort und Essen sind zu empfehlen, die Preise sind überzogen und gewöhnungsbedürftig.

Übrigens: Wer essen und trinken möchte, sollte sich an die strengen Öffnungszeiten der Ristoranti halten. Nachmittags nach 15:00 zu essen ist schier unmöglich.

La Famiglia

Der Tisch in der Trattoria am Strand ist wunderbar. Wir sind die einzigen Gäste und schauen mit einem Glas Wein in der Hand aufs Meer und bestaunen den Sonnenuntergang. Ach…ist das romantisch. Langsam füllt sich die Trattoria, alle Tische sind besetzt. Wir sind jetzt eingekeilt von feier- und sangeslustigen italienischen Großfamilien (viva italia). Selbst der Service hat Mitleid und bietet einen anderen Tisch an. Aber warum…hier ist wirklich was los.

In Marina di Ugento gibt es einen Robinson-Club, der auch bei italienischen Familien sehr beliebt ist. Der flache Strand ist für Kinder bestens geeignet. Kein Platz für Ruhe suchende Individualisten. Aber schön für deutsche Touristen, die ihre Sprachkenntnisse auffrischen und italienische Momente genießen möchten. Kontaktscheu ist hier keiner.

Über den Fluss und in die Wälder

Anders siehts beim Radln aus. Da habe ich den Guide für mich allein. Allen anderen ist es anscheinend zu warm, zu kalt oder zu unbeständig fürs Sportln.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Tour führt zum Capo Santa Maria de Leuca, der südlichsten Stelle Apuliens. Hier sind wir ganz nahe an Albanien. Das Handy zeigt auf jeden Fall ein albanisches Netz an. Jetzt also nicht telefonieren. Der ehemalige Kardinal Ratzinger war auch schon da, worauf die Plakate mit Bildern und Texten über Benedetto hinweisen.

Die Fahrt mit den Rädern geht über teilweise unbefestigte Nebenstraßen an einzelnen Gehöften vorbei. Die ganze Gegend wird landwirtschaftlich genutzt. Blühende Kaktusfeigen, bizarre Olivenbäume sowie Mandelbäume sind zu sehen. Leider laufen auch einige Hunde frei. Als ich an einem stehenden Auto vorbeifahre scheint es, als wolle sich der Hund durch das offene Fenster auf mich stürzen. Nichts wie weg…

Frischer Wind

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWindstärke 8 ist nichts für eine Übungsstunde auf dem Katamaran. Am nächsten Tag ist wieder Frühling und ausgezeichnetes Segelwetter. Also anluven und raus aufs Meer. Das schöne am Robinson-Club ist das Sportangebot. Mit meinem Segelschein kann ich den Katamaran kostenfrei segeln. Drängeln muss in der Vorsaison auch niemand. Es ist genug Gerät für alle da.

Fotos: Norbert Finkenbusch

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